Von Zons nach Uerdingen – die Zweite

Dormagen 10.01.2020   „Pling“ – die Frostwarnung macht auf sich aufmerksam und zeigt 4° C als ich auf dem Weg zum Bootshaus bin. Später fällt die Anzeige auf 3,5°C, „Unter 4 Grad fahren wir nicht“ meine ich mich an eine Aussage eines Vereinskameraden zu erinnern. Wahrscheinlich war die Wassertemperatur gemeint.

Dieser 30. Dezember ist ein oft sonniger Tag mit wenig Wind, lange Neopren Hose und entsprechende, langärmelige Jacke liegen aber bereit, ebenso Paddelpfötchen. Ein Tipp von Marion, besser als Handschuhe, mehr Gefühl. Heißer Tee in der isolierten Trinkflasche wird griffbereit verstaut. Dietmar hat die gute Idee, die Boote vor dem Umziehen zur Ablegestelle zu tragen, gesagt getan.

11 Uhr sind wir auf dem reichlich vorhandenem Wasser, die Kribben sind überspült und die Treppe halb geflutet. Knapp 15 Minuten später wird ein Halt an der Boje 721 km notwendig, Marion kämpft mit den Fußrasten, die sich als zu beweglich erweisen.

Bald geht es weiter, ein paar Schiffe tauchen jetzt auf, darunter ein kleiner Transporter aus dem Neusser Hafen mit Bagger an Bord.

Sonne und Wolken erzeugen wunderbare Bilder, je nach Perspektive noch Spiegelungen im Wasser. Später schickt Bernd einige gut gelungene, stimmungsvolle Fotos in die Runde.
Verblüffend, dass der Fernsehturm bald zu sehen ist aber dann doch noch geraume Zeit wieder verschwindet. Den Pausen-Strand mit Wiese vor dem Dorf an der Düssel von der letzten Tour im Sommer gibt es zur Zeit nicht, wir rasten daher stromabwärts mit Rückblick auf das Riesenrad. Marion spekuliert über die persönliche Verträglichkeit des Riesenrad-Fahrens, verblüffend, dies aus dem Mund einer Seekayak-erfahrenen Paddlerin. Ich erinnere mich noch an die Tour Rodenkirchen- Zons, Pause hinter der Leverkusener Brücke. Marion hatte die Spitzdecke schon abgezogen, neben zwei Frachtern donnerten da drei niederländische Sportboote stromaufwärts heran und verbreiteten Nordsee-taugliche Wellen, von Marion locker ausgetanzt!

Angesichts alternativer Heißgetränke findet mein Salbei-Tee nur sehr begrenzten Zuspruch. Mein Pausenbrot ist im wiederverwendbaren Zipp-Beutel verpackt, auch andere Kameraden weisen auf ihren Verzicht auf Alufolie zur einmaligen Verpackung hin. Uns Wanderfahrern steht es sicher gut an Verpackungen sorgfältig zu nutzen. Das nächste Niedrigwasser wird Gelegenheit geben den Jäger und Sammler in uns wiedererwachen zu lassen und Makro-Plastik einzusammeln bevor es durch mechanische Einwirkung und UV-Strahlung vielleicht zu Mikro-Plastik wird.

Bernd hilft mir trockenen Fußes einsteigen zu können, ich weiß das zu Schätzen. Der Fährbetrieb ist eingestellt, insgesamt ist es sehr ruhig, ein paar Ruderer und auch Paddler fahren stromaufwärts. Eine Monster Welle von einem Talfahrer mit beachtlichem Rauschen und (gefühlt) zwei Meter Anhebung wie bei der Sommertour mit den Uerdingern gibt es diesmal nicht. Also gute Gelegenheiten für Gespräche ganz ohne Vermittlung durch elektromagnetische Wellen. Auch schön, mal den eigenen Gedanken freien Lauf zu lassen, mir kommt der gelungene Literaturabend im Bootshaus in den Sinn. Rüdiger hat unter anderem eine Passage der Kap Hoorn Winter-Umfahrung im Kayak durch Arved Fuchs und seinen Begleiter lebhaft vorgetragen. O.k., die hatten mehr Wind und mehr Wellengang, dafür habe ich kein Ersatz-Paddel.

Die letzten vier bis fünf der insgesamt 44 Strom-Kilometer sind etwas ereignisarm und ziehen sich ein wenig, das tut der insgesamt tollen Tour keinen Abbruch, zumal Dietmar den freundlichen Bootshauswart in Uerdingen informiert hat und uns warme Duschen erwarten. Davor hat das Schicksal allerdings das Aufladen und verzurren der Boote gesetzt, inklusive nasser Füße vom Ausstieg. Irgendwie spüre ich meine weibliche Seite, heute mal in den Fußsohlen. Ein Mitpaddler hatte sich sogar entschieden zur Wasserseite auszusteigen, vermutlich ist der ehemalige Taucher in ihm nochmal durchgekommen.

Helga und Dietmar haben den Transfer mit dem Bus vorbereitet, herzlichen Dank dafür und an alle für die gute Stimmung, besser braucht es im nächsten Jahr gar nicht werden.

Geschrieben von Rainer T.

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