Na ja, die Wetterprognose ist eher nicht so doll, es wird wohl regnen, trotzdem, ich bin noch nie auf einem Kleinfluss gefahren und funke deshalb Carsten an. "Da kannst du mitfahren, Treffen 8.30 Uhr" lautet die etwas ausschweifende Antwort. Sonntag (31.03.) erfahre ich dann, dass es auf die Sieg geht, 25 km von Eitorf bis Siegburg. Die Boote auf den Hänger und los geht es, Carsten fährt uns gut und sicher. Am Wehr vorbeikommend heißt es: "Da fahren wir gleich drüber!" Aha.
Wir treffen Bernd, der mit seinem PKW gekommen ist.
Nachdem Petra etwas Fachliches über Abschlepppflichten im Feuerwehr-Zufahrtsbereich dargelegt hat wird sehr korrekt eingeparkt und dann entladen. Bei idealem Wetter, sonnig, nicht zu warm, steigen wir ein. Letztes Mal war meine Spritzdecke irgendwie grösser. Im Kayak sitzend macht sich ein gutes Gefühl breit. "Von Bäumen und Sträuchern wegbleiben" und "im Zweifel immer paddeln" wird mir noch mitgegeben. "Esslinger Wolle" lese ich an einem Fabrikgebäude, an dem wir vorbei paddeln, dass erinnert mich an das Podium-Musik-Festival in dieser hübschen Stadt am Neckar, übrigens sehr zu empfehlen.
Dann sehe ich die ersten Wellenfelder, die offenbar mit Steinen gespickt sind. Läuft eigentlich ganz gut, allerdings ist ab und an auch in der Mitte Grundberührung spürbar, ist auf dem Rhein seltener der Fall.
Die erste Kurve bahnt sich an,"auf Kleinflüssen eher in der Aussenkurve fahren, tendenziell höherer Wasserstand" merke ich mir. Zum Wasserstand fällt mir ein Sonnenschirmständer auf, der etwa in Frauenshöhe in einem Baum am Ufer hängt. Vor einem Brückenpfeiler sind massive Baumstämme etwa mannshoch gestapelt angeschwemmt, bei Hochwasser möchte ich, glaube ich, nicht da sein, wo ich jetzt bin.
Übrigens müssen wir an dem Pfeiler rechts runter, ja , da ist ein Absatz. Gucken, paddeln, den Blöcken ausweichen, schon wieder in ruhigem Wasser. Dietmar zieht mich wegen meines Trinksystems auf, "doping" meint er, dabei war das ein guter Tip von Bernd.
Plötzlich hebt sich mein Kayak etwas und kippt nach rechts weg, der Ärmel der Jacke wird nass, das hätte der "Bademeister" werden können, Glück gehabt. Offenbar habe ich einen größeren Stein übersehen, da war doch gar keine stehende Welle?
Meine Güte, was rauscht den da vorne so - tatsächlich, da geht es wieder ein gutes Stück runter und war zügig. Ich fahre die Linie von erfahrenen PaddlerInnen nach und komme so gut durch. Die Vorfahrenden haben übrigens gewendet und schauen was so passiert. "Rainer, du kannst jetzt wieder lächeln" wird mir ermunternd zugerufen. Das nächste Mal wird ein salziges Lächeln meine Lippen umspielen, denke ich mir (aus einem Lassiter-Groschenroman).
Nach ca. zwei Stunden ist Mittagspause angesagt, auch schön, eine andere Paddlergruppe fährt weiter, die überholen wir später bei ihrer Rast am Campingplatz. Iris teilt ganz nobel ihre Schokolade, "aber nur ein Stück" sage ich um in dem Moment zu erkenen, dass es sich um diese Schokolade handelt, die aus vier oder fünf grossen einzelnen Riegeln besteht...
Nach dem Einsteigen sehen wir bald einen hocheleganten, sehr grossen Reiher am Ufer, er hat er den Überblick und ist von uns völlig ungerührt. Einige kleine Stufen kommen noch, ich habe von Marion gelernt die "Zunge" an den Absätzen zu suchen und vorzugsweise diese zu befahren.
Jürgen fährt die schnittigen Stellen gerne zweimal, nach dem Gefälle sofort per Canadier-Schlag wenden, so geht es also auch.
Nach knapp vier tollen Stunden auf dem Wasser erreichen wir unser Ziel, keiner verletzt, kein "Bademeister", alle glücklich!
Die Wetterfrösche haben sich in angenehmer Weise einmal deutlich geirrt!
Mit der Grazie eines Panthers - oder wie heißt das Tier mit dem langen Rüssel nochmal? - steige ich per Paddelstütze aus, Boote an Land und die Wartezeit bis Marion und Bernd den Bus geholt haben wird mit bleifreiem Weizenbier oder Kaffee verkürzt.
Nachdem wir unsere Sachen gepackt haben sehe ich noch, wie ein junger Sportler in einen Rennkayak einsteigt, das Carbonfaser- Paddelblatt wie eine Turbinenschaufel geformt. Er tritt in das Boot, fährt mit dieser Bewegung los, setzt sich währenddessen, verschmilzt dabei mit dem Kayak und schwebt über dem Wasser.....
Marion fährt uns sicher und gut zum Bootshaus zurück. Es ist ihre erste offizielle Tour als Wanderwartin, Chapeau - und meine erste Kleinflussfahrt, das erste Mal kann so schön sein....
Herzlichen Dank an alle, bis zum nächsten Mal!
Rainer