Entschleunigung genießen!

16 Februar 2013  Rhein; Wesel-Dattel-Kanal; Dortmund-Ems-Kanal; Ems.

Die Karten sind vergrößert und eingschweißt, das Gepäck liegt bereit, nochmal kurz überlegen, nun kann es losgehen.

Zons, den 25.07.2012 Rheinkilometer 718,2

9:30 Uhr das Boot wird gut beladen ins Wasser gelassen, ein Winken und schon ist meine Frau nicht mehr zu sehen. Alleine bin ich nun die nächsten Tage auf dem Wasser. Es gibt ein Ziel, innerhalb von 10 Tagen die Schleuse Herbrum der Ems erreichen, dann ist meine Heimfahrt gesichert. Lange sind die startenden Flugzeuge hinter Düsseldorf zu sehen. Die Rheinufer werden flacher und weitsichtiger, vorbei an der Industrielandschaft des Ruhrgebietes. Fahre ich nun in Duisburg den Rhein-Herne-Kanal oder geht es weiter, oh schon verpasst, also der nächste Kanal, sind ja bloß ein paar Kilometer mehr. Das Wetter zeigt sich von der besten Seite, Sonne wenig Wind. Irgendwo eine kleine Pause und die Tagesration Essen genießen. Paddeln macht durstig, habe ich genug Wasser an Bord, alles klar. Riesige Schubverbände mit Kohle für die Kraftwerke kämpfen sich rheinaufwärts.Heute läuft es gut, von weitem sehe ich schon Leute am Bootshaus in Dinslaken, ich werde freundlich aufgenommen, bekomme Bootshausschlüssel und die Oberhoheit über die Küche des Hauses. Schnell habe ich mein Zelt für die Nacht aufgebaut. Mittels Handy die Ehefrau über den Standort informieren und wie ich mich fühle, eine gut Nacht wünschen. In Gesellschaft einiger Paddler mit Blick in die Abendsonne kann ich den Resttag genießen.

Dinslaken, den 26.07.2012 Rheinkilometer 799,5
7:30 Uhr, ich habe gut geschlafen. Die übliche Rödelei nach dem Wachwerden. Leider gibt es erst ab 9:00 Uhr in 200 m Entfernung ein Frühstück, aber dafür ein tolles Frühstück. Um 10 :00 Uhr geht es nun endlich aufs Wasser, etwas unangenehmer Wind, egal, bei Rheinkilometer 813,1 geht es zum Wesel-Dattel-Kanal. Hier muss erst einmal Höhe gemacht werden über eine überwucherte
endlose Treppe. Die Jahresdosis Brennessel und Dornen ist erreicht. Nun kommt mein kleiner Bootswagen zum Einsatz, nach wenigen 100 m finde ich ein super Einstiegsponton, gut zugänglich, genau richtig für uns Paddler. Bei diesem herrlichen Wetter suche ich nun die Schattenseite des Kanals, ohne Kopfbedeckung geht nichts. Es ist so herrlich ruhig. Leise höre ich ein sanftes Motorengeräuch immer näher kommen. Nach ca. 1 Stunde werde ich von einem Schiff mit 10 bis 12 km/h überholt. Ganz langsam bin ich mit 7,5 km/h ja auch nicht, es läuft halt gut. Heute geht die Jugend soweit die Zeit reicht im Kanal baden, die Temperatur liegt ja um die 28 Grad C. Allmählich
mache ich mir Gedanken wo ich übernachten soll. „Eh Du da, wo willst Du hin" lautet plötzlich die Aufforderung zu Übernachten. Somit bin ich bei den Paddlern FKF Marl angekommen. Wieder bekomme ich den Bootshausschlüssel und die Information über das  frühstücksprozedere. Nicht weit entfernt genieße ich ein super Abendessen in einem schönen Gartenlokal. Die Nacht im Bootshaus auf Steinboden brauche ich nicht so oft, dann lieber mein Zelt auf Grasboden.

Marl, den 27.07.2012 Wesel-Dattel-Kanal
Heute habe ich Zeit, es wird nur eine kurze Etappe bis Datteln, dort kann ich wieder bunkern, damit ich immer genügend zu Essen und trinken habe. Vorbei und durch die Industrielandschaft um Marl geht es heute. Alle Schleusen trage ich um, mit den großen Schiffen möchte ich mich nicht in eine Schleusenkammer legen. Ein Lob an den DKV möchte ich an dieser Stelle ausrichten. Vor und
hinter den Schleusen sind überall auf dem Kanal die Super Ponton mit gutem Zugang eingerichtet. Hier bewährt sich mein kleiner Bootswagen, damit sind ein paar 100 m keine große Mühe um Schleusen zu umtragen. In Datteln werde ich von jugendlichen Rennsportlern begrüßt, eine Gruppe kommt aus Holzheim. Hier kann ich das Trainingslager der Rennsportler in aller Ruhe beobachten.
Schnell habe ich mein Zelt aufgebaut, damit ich Kaffee trinken gehen kann, Dattel erlaufen und bunkern für die Weiterfahrt. Ganz in der Nähe finde ich ein einfaches Cafè für's Frühstück am nächsten Morgen. Es ist Gewitter angesagt mit heftigem Regen, egal, mein kleines Zelt ist dicht.

Datteln, den 28.07.2012 Kanalkreuzung: Wesel-Dattel – Dortmund-Ems-Kanal.
7:30 Uhr, es regnet noch leicht, ich verziehe mich unter ein Vordach und packe mein Zeug zusammen, diesmal ist das Zelt halt naß, der Rest leicht klamm. Die jungen Rennsportler gehen vorbei und schauen weg, denn das Frühstück wartet im Bootshaus. Punkt 9:00 Uhr bekomme ich bei leichtem Regen ein sehr rustikales Frühstück, reichlich Kaffee und mit Nieselregen geht es nun weiter. Nun werde ich auch von den Trainern freundlich gegrüßt, die mit ihren jugendlichen Rennsportlern die erste Trainingseinheit absolvieren. Der Charakter des Dormund-Ems-Kanals ist völlig anders gegenüber dem Wesel-Dattel-Kanal. Er ist 55 m breit, mal zwischen den Bergen, mal
hoch über dem Tal wenig Bäume direkt am Ufer. Nach einigen Stunden bessert sich das Wetter und die Genussfahrt geht weiter. Heute habe ich eine lange Kanalfahrt vor mir. Nun fahre ich schon fast 10 km durch Industrielandschaft im Bereich Münster. Mein Ziel ist das Bootshaus der Ruderer des RVM 1882 e.V. Münster. Eine Ruderin des Vereins organisiert die Möglichkeit im Bootshaus zu
übernachten, wieder habe ich alle Schlüssel. Ein leckeres Abendessen in einem Künstlerlokal mit Blick über eine große Straße Münster's rundet den Tag ab. Auf dem Rückweg finde ich mehrere Frühstücks- Bäckereien die ab 7:00 Uhr geöffnet haben.

Münster, den 29.07.2012 Dortmund-Ems-Kanal .
7:30 Uhr, wie gehofft klappt alles mit dem Frühstück wenige 100 m entfernt. Ich hole mein Boot aus der Halle, was das? Ein kleiner Vandale hat sich über meine Schokoladenreserve hergemacht. ie Suche nach der kleinen Maus im Boot war erfolglos, also los aufs Wasser. Nach 2 km eine riesige Wasserbaustelle, es entsteht eine sehr große Schleuse. Nach 1 Stunde Suchen, wie ich mit meinem Boot und Gepäck um diese Baustelle komme, hilft mir dann ein Passant über Treppen und Stiege wieder unterhalb der Baustelle ins Wasser. Mein Blick geht nun auf den Kanalkilometer 78,7. 20 m unterhalb fließt tatsächlich das Rinnsal von Ems. Das Paddel als Machete nutzend schaffe ich
den Einstieg in die Ems. Nun fahre ich hier ganz ruhig, links und rechts sehr hoch die Böschung mit Wasserlilien bewachsen. Es schlängelt sich nur so hier, auf diesem Teilstück der Ems ist noch kein weiter Blick möglich. Allmählich gewöhne ich mich an diese Landschaft. Erste Hindernisse im Wasser, die ein Umtragen erforderlich machen. Es gibt wenig Möglichkeiten in einem Cafè oder sonst zu pausieren. Mein Kartenmaterial aus dem DKV-Führer zeigt mir allerdings genau an wo ich mich befinde. Was ist denn dort vorne, 20 m vor mir schwimmt ein Reh von rechts nach links durch die Ems, schon toll so etwas zu sehen. Das Reh hat mich nicht bemerkt, auch als es das Steilufer
hochstieg. Am Nachmittag erreiche ich das Bootshaus in Emsdetten, eine wunderschöne Wiese lädt zum Übernachten ein. Die Formalitäten sind rasch erledigt. Leider ist die nächste Essgelegenheit einige km entfernt, also ran an die Notration. Das Frühstück wird auch erst einiger km auf der Ems am nächsten Tag bedürfen. Ein Radwanderer stellte sich als netter Gesprächspartner für den Abend
heraus.

Emsdetten, den 30.07.2012 Ems.
7:30 Uhr wird alles verpackt, nochmal ein paar Worte und weiter geht es auf der Ems. Wasser (kein Kaffee) hilft mir bis nach Rheine, alles ohne Frühstück, ist nicht so toll für mich. In Rheine gönne ich mir dann einen richtig guten Brunch. Auf der Suche nach der weiteren Route
finde ich eine Schleuse die selbst bedient werden soll. Alles vorbereitet, die Schleuse ist geflutet, jetzt nur noch am Ortseingang zum Boot. Der Ausstieg an steiler Treppe mit Boot ist schon mühsam. 2 Mitarbeiter des Ordnungsamtes klären mich vor Abschluss meiner Schleusenaktion noch rechtzeig über den falschen Weg den ich beihnahe gefahren wäre auf. Sie erklären mir den richtigen
Weg, danke, wäre ganz schön schief gegangen. Sanft fließt die Ems, die Landschaft öffnet sich allmählich, der Blick wird weiträumiger. Gegen Abend erreiche ich Leschede , dort ist ein kleiner Campingplatz, leider ohne Bewirtung, also Brot und Käse am Stück mit Wasser. Der Abendspaziergang zum nächsten Ort ca. 1,5 km ist schnell geschafft, es reicht noch zum Einkauf und zurück zum Camping. Eine Sehenswürdigkeit lenkt mich etwas vom Weg ab, schauen und weiter laufen mit der schweren Tüte. Nach ca. 3 km Fußweg frage ich nach dem Weg, sieht doch alles so gleich aus. Also zurück und dann nach rechts. Kurz vor dem dunkel werden erreiche ich den
Campingplatz und verschwinde schnell im Zelt. Mittlerweile besitze ich einen wasserdichten Rucksack der mich zukünftig auf meinen Touren unterstützen wird, Einkaufstüten können ganz schön ätzend sein.

Leschede, den 31.07.2012 Ems.
Früh bin ich auf, packe, esse aus meinem abendlichen Einkauf und los aufs Wasser. Das Wetter meint es auch heute wieder gut mit mir, angenehm warm, leicht bewölkt, wenig Wind. Die Landschaft gleitet nur so dahin. Einige Wochenendsiedlungen direkt am Ufer mit schönen Häusern und schon wieder vorbei, alles ohne Hast, völlig entspannend, kein Wort den ganzen Tag, nur die Landschaft und ich.Mein heutiges Tagesziel heißt Meppen, dort soll es einen schönen Campingplatz geben. Es stimmt, ein toller Campingplatz, direkt am Wasser und wenige 100 m bis zum Ortsmittelpunkt. Jede Menge Möglichkeiten zum Essen und schon ab 7:00 Frühstücksmöglichkeiten. Heute melde ich schon mein Kommen für den nächsten Tag an, damit meine Verwandten mich in Herbrum abholen können.

Meppen, den 01.08.2012 Ems und Emskanal
7:00 Uhr sitze ich schon beim Frühstück, mit vielen Menschen die ihrer Arbeit entgegeneilen werden. Heute werde ich wohl die längste Etappe auf der Ems und dem Kanal fahren. Alles stimmt, keine Probleme in sicht, wieso soll dies nun schon wieder vorbei sein, was habe ich falsch gemacht? Ein paar wassertechnische Highlights, 2 mal Umtragen, eine schöne badepause. Noch diesen
schönen Altemsarm und dann wieder Kanal. Leider endet dieser Altarm als Sackgasse, erst mal eine Pause und überlegen und schauen. Nach einiger Überlegung und mit kurzem Umtragen bin ich doch wieder auf dem rechten Weg. Bloß nicht noch den falschen Weg (Küstenkanal) dann wird das heute nichts mehr. Geschätzt noch eine Stunde, jetzt kann ich mich allmählich mal telefonisch anmelden.
Die letzten km fliegen vorbei, schade es ist vorbei. Herzlich werde ich in Herbrum begrüßt, abtransportiert (mitgenommen) und mit allem möglichen verwöhnt. Es wird erzählt, diskutiert und gelacht. 400 km mit tollen Momenten sind vorbei.

Rhede an der Ems, den 02.08.2012
Heute habe ich endlich Zeit mir die Olympischen Kanuslalom- Wettkämpfe im Fernsehen anzusehen und mit zu fiebern. Ja 40 Jahre ist die eigene Olympiade nun schon vorbei.

Gruß

Jakob

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