Dormagen 20.02.2020 Freitag ein gemütlicher und ebenso anregender Filmabend im Bootshaus , darunter „25 km/h“. Wir wollen Samstag etwas langsamer aber dafür 27 km auf der Agger verbringen.
„Der Himmel hat die Schleusen auf – Fahren ja oder nein?“ – Dietmar fragt freundlicherweise rechtzeitig vor der verabredeten Zeit nach, von Ute kommt ein klares ja, von Helga ebenso, verstärkt durch ein Bizeps-Icon. Kann Mann da absagen? Dass Jakob fährt, davon geht ohnehin jeder aus. Also werden die Boote auf den Hänger geladen, aus ca 1000 km Entfernung kommt noch der Tipp von Petra Helme mitzunehmen, die haben sich auf der Agger wohl schonmal gegen Hagel bewährt.
Wir treffen Ute am Bootshaus des Kanu Club Delphin, Dietmar wendet auf engem Raum mit Hänger, (meinen Respekt), den wir dann an Utes Bus einklinken um zusammen zum Einstieg nach Vilkerath zu fahren. Petrus hat kein Einsehen, wir kämpfen uns über den schlammigen Deich, ich konzentriere mich darauf nicht noch vor dem Tourstart in das Wasser zu fallen, das wäre erstens kühl und zweitens „uncool“, dafür sitze ich dann auf meiner Spritzdecke…. 10:45 h geht es los.
Schon bald kommen die ersten Wellenfelder und auch Stufen, ohne Spritzdecke würde der Kayak rasch volllaufen, Ute fährt ihren Canadier auch mit Persenning und konsequent mit dem Paddel auf der linken (persönlichen Schokoladen-) Seite.
Ute entdeckt einen Eisvogel, sehr viel später sehe ich auch einen, ein tolles, leuchtendes Blau im regengrauen Einerlei, ob er uns begleitet hat?
„High noon“ gibt der Himmel nochmal alles, es plästert 5 Minuten inklusive Gegenwind, dann wird es ganz langsam etwas besser.
Bei den in das Wasser reichenden Ästen ist stets die Entscheidung notwendig unter dem Ast zu Fahren oder außen herum, bei geschätzt ca. 3m/sec Strömung ist jedenfalls zügiges Handeln sinnvoll. Und der eine oder andere Ast streift auch den Helm. Einige Erdrutsche am Ufer sorgen zeitweise für einen Slalomkurs. Weite Strecken des Ufers sind nach erstem Eindruck von Riesenbärwurz bewachsen. Die imposante Pflanze, wohl daher auch Herkulesstaude genannt, kann sich schnell ausbreiten und ist wegen mancher pflanzlicher Inhaltsstoffe nicht ungefährlich. Abkömmlinge des Cumarins, das der Maibowle das typische Aroma verleiht, können besonders unter dem Einfluss von Sonnenlicht massive Blasen auf der ungeschützten Haut auslösen. Wir wollen besser nicht probieren, ob die weitgehend abgestorbenen Pflanzenteile bei Berührung noch Risiken aufweisen.
Mit Ute wird über Israel philosophiert, Jakob war auch mal in der Firma wo ich begonnen hatte, die Zeit vergeht also wie im Flug. Ich lerne etwas über den Sinn der Rampen vor der Holzbrücke, sie verhindern das Aufstauen von Schwemmholz, der sich aufbauende Druck würde den Holz-Brückenpfeiler irgendwann knacken. Mir kommen die angeschwemmten hoch gestapelten Baustämme vor der Steinbrücke auf der Siegtour 2019 in den Sinn, ja, die können wohl gewaltige Kräfte aufbauen. Wir passieren die Mündung der Sülz, die offenbar auch befahrbar wäre. Gegen Ende der Tour auch einige inselartige Anschwemmungen und anscheinend festsitzende Baumstämme. Schon kommt die Treppe zum Ausstieg in Sicht.
Tatsächlich, es regnet nicht mehr, der KCD hat aber auch einen planen-überdachten offenen Vorraum, den wir zum Umziehen und zur Nahrungsaufnahme nutzen, Barista Dietmar hat sogar Kaffee dabei. Eine weitere Gruppe Paddler mit Trockenanzügen und auch Helmen ausgestattet landet an. Ute und Dietmar holen den Hänger, eigentlich ist es nicht sooo kalt, aber in der Wartezeit bin ich doch froh, dass Jakob mir seinen Kapuzenpulli leiht, den edlen, mit extra aufgedruckter individueller Beschriftung. Digitaldruck bietet viele Möglichkeiten.
Wenigstens das Laden der Boote ist also regenfrei und so doch angenehmer.
Am Sonntag meldet sich Jakob noch mal, wir sind bei einem Wasserstand von ca. 1 m gefahren, am nächsten Tag ist der Pegelstand schon 1,73 m, Ute und Ditmar hatten bei dem Hänger-Transfer schon den Eindruck deutlicher Farbveränderung der Agger.
Dank den beiden für das Rangieren und für die Organisation.
Und die Bilanz des Tourentags? Es war anreg(n)end und hat Spaß gemacht, buchstäblich eine schöne „Erfahrung“. Hätten wir denn bei voller Belaubung und heller Sonne den Eisvogel überhaupt wahrgenommen?
Geschrieben von: Rainer
Fotos: Ute Kaeufer-Lutz