24 Juli 2018 Über 50 Nationen aus allen Kontinenten kamen in der vergangenen Woche bei der Kanuslalom Weltmeisterschaft der Junioren und der Sportler unter 23 Jahren (U23) zu einer bunten Gemeinschaft unter dem blauen Himmel Italiens zusammen. Die Dora Baltea bildet am Ausgang des Aostatals vom Großen Sankt Bernhard kommend eine imposante Kulisse vor der Altstadt Ivreas. Ihr Wasser speist eine der ältesten und anspruchsvollsten Wildwasserstrecken, Sportstätte der italienischen Nationalmannschaft. Erwartungsgemäß hatten die Italiener in vielen Einzelwettkämpfen die Nase vorne.
Team Deutschland stellte 10 U23-Athleten und 12 aus dem Juniorenbereich, davon jeweils drei Teilnehmer in den Bootskategorien Kajak (KI) und Kanadier (CI). Besonders für die Damen erwies sich die wuchtige Strecke mit tiefen Abfällen und Walzen als große Herausforderung und so brauchte auch Anna Faber vom WSC Bayer Dormagen Anlaufzeit, um in den Wettkampf zu kommen.
Am Dienstag startete die Weltmeisterschaft gleich mit den Mannschaftswettkämpfen. Die erste Goldmedaille holte die CI-Mannschaft aus Deutschland. Das KI-Team Faber, Elena Apel aus Augsburg und Andrea Herzog aus Leipzig fand nicht wie ihre Vorgänger die Idealspur und landete auf einem für sie enttäuschenden 9. Platz. Eine Bronzemedaille holten dann noch die Junioren im Kajak.
Auch im ersten Qualifikationsrennen am Mittwoch lief es für Faber noch nicht wie gewünscht. Sie ging stark und dynamisch ins Rennen und passierte die schwierigsten Torkombinationen souverän, doch eine kurze falsche Stellung des Bootes im oberen Streckenbereich führte dazu, dass sie ein Tor erneut anfahren musste. Mit Platz 30 war sie damit von einer Qualifikation unter den besten 20 weit entfernt und musste in den zweiten Lauf, in dem sich nochmal 10 Fahrerinnen qualifizieren. Hier meisterte sie den Parcours deutlich besser und blieb mit Platz 4 weiter im Wettbewerb.
Am Samstag kam es dann zur Entscheidung. Auf neu gehängter Strecke mussten nochmal Kraft, Ausdauer, Technik und mentale Stärke mit den Unwägbarkeiten des Wassers im Einklang gebracht werden um das Beste zu zeigen, denn nur 10 Athletinnen machten die Entscheidung unter sich aus. Anna Faber ging als Siebte an den Start und legte einen Klasselauf hin, besonders in der schwierigen Passage zwischen Tor 13 und 16, die einigen Top-Fahrerinnen – unter anderem der Vizeweltmeisterin aus dem Vorjahr, der Brasilianerin Ana Sattila – zum Verhängnis wurde. Die konzentrierte Leistung bescherte ihr am Ende Platz 8 und damit den Einzug ins Finale.
Finale beim Kanuslalom heißt Top oder Flopp! Eine kleine Unkonzentriertheit kann die Medaille kosten. Es muss einfach alles passen, um ganz oben dabei zu sein. Für Anna Faber lief es auch im Finallauf ganz hervorragend, sie schoss durch die Abwärtstore und nahm die Aufwärtstore ganz eng. Einen Zeitverlust hatte sie nur einen kurzen Moment in der Walze nach Tor 13, aus der sie sich kraftvoll befreite, der ihr aber am Ende die Medaille um 6 hunderstel Sekunden verwehrte. Weltmeisterin wurde Camille Prigent aus Frankreich, gefolgt von Lisa Leitner aus Österreich und Kimberly Woods aus Großbritannien. Mit Platz vier unter den Weltklassefahreinnen holten Faber im KI und Andrea Herzog bei den CI-Damen die beste Einzelplatzierung des deutschen Teams heraus. Elena Abel kam hinter Faber noch auf Rang 5. „In drei Wochen bei der EM in Bratislava greifen wir wieder an“, schaut Faber nach vorne.
Insgesamt war die Veranstaltung in Ivrea eine große Werbung für den wunderschönen Natursport Kanuslalom. Begeisternde Wettkämpfe mit Toppleistungen, interessiertem und mitfieberndem Publikum, erstklassiger Organisation durch die austragende Nation und in den Teams trugen zu dem positiven Gesamtbild bei, auch wenn die Medaillenausbeute das deutsche Team nicht ganz zufrieden stellte. Anders als in den siegreichen Nationen wie beispielsweise Frankreich, Großbritannien und Tschechien fehlt es in Deutschland an herausfordernden Wildwasserkanälen und ganz besonders in NRW, das immerhin drei Teilnehmer stellte. Eine Strecke in Dormagen könnte für unsere Sportlerinnen und Sportler sehr gewinnbringend sein.