Dormagen, 04. Mai 2026
Marten Konrad sorgte bei den Sichtungswettkämpfen zu den Nationalmannschaften
der Kanuten für eine „faustdicke Überraschung“, so Cheftrainer Thomas Apel: Der
Zwanzigjährige Kanute vom WSC Dormagen qualifizierte sich im Kajak-Cross für das
WM-Team.
Die Überraschung war groß, auch bei dem jungen Dormagener: „Langfristig war mein
Ziel, ins A-Team zu kommen. Aber bisher lag mein Fokus auf Kanuslalom. Das es
jetzt schon so schnell im Cross geklappt hat, freut mich riesig.“ Im Kanuslalom war
Konrad im letzten Jahr mit der U23-Mannschaft Europameister und zum Sportler des
Jahres der Stadt Dormagen gekürt worden. Doch an beiden
Qualifikationswochenenden lief es hier für Konrad nicht rund, sodass er am Ende
keine Chance auf einen begehrten Platz in der Slalom-Nationalmannschaft mehr
hatte. Auch hier hätte über die U23-Qualifizierung hinaus die Chance auf die A-
Nationalmannschaft bestanden, da mit dem Karriereende von Hannes Aigner, dem
mehrfachen Olympiateilnehmer und Weltmeister von 2018 ein Platz erreichbar
gewesen wäre.
Dann kam der letzte Sonntag mit den Entscheidungen in der jungen Disziplin Kajak-
Cross. Als Elfter von Zwölf hatte sich der Sportsoldat für die Kopf-an-Kopf-Rennen
auf dem Eiskanal in Augsburg qualifiziert – nicht die beste Ausgangsposition, denn
die Vorneliegenden dürfen sich den Startplatzt aussuchen. Ausschlaggebend dafür
waren zwei Einzelläufe am vorangegangenen Wochenende in Markkleeberg, bei
denen er 4. und 21. geworden war. Die Head-to-Head-Phasen entwickelten sich
dann zu einem spannungsgeladenen Nervenkrimi, bei dem Konrad mehrfach hätte
scheitern können. Mit Kraft und Durchsetzungsvermögen und einem Quäntchen
Glück erkämpfte er sich durch den Sieg im letzten Finale den dritten Platz im A-
Team.
Beim Kajak-Cross starten maximal vier Athleten parallel von einer Rampe in stabilen
PE-Booten und durchfahren einen Parcours von wenigen luftgefüllten Toren, die
berührt oder auch weggeschlagen werden dürfen. Die in der Regel zwei Aufwärtstore
sind doppelt gehängt, sodass die Fahrer die Wahl haben, welches sie durchfahren.
Die Konkurrenten dürfen sich mit den Booten wegdrängen und battlen.
Den Anfang machten am Sonntag vier Heats a drei Starter. Die jeweiligen Gewinner
qualifizierten sich direkt für das erste Halbfinale. Konrad gelang der Direkteinzug
nicht, sondern musste in den Hoffnungslauf, fuhr auf Sieg und nahm damit Kurs auf
das Halbfinale. Zwei seiner Konkurrenten waren hier Stefan Hengst und Noah
Hegge, beide waren in dieser Disziplin für Deutschland bei der Olympiade in Paris
gestartet, Hegge hatte die Bronzemedaille gewonnen, harte Konkurrenz. Aber
Konrad wuchs über sich hinaus und kam hinter Hegge als Zweiter ins Ziel. Im
zweiten Durchgang mussten dann die acht Halbfinalisten erneut gegeneinander
antreten und wieder waren Hengst und Hegge seine Gegner. Diesmal fuhr sich
Hegge mit einem Torfehler aus dem Rennen, Hengst und Konrad qualifizierten sich
für das Finale. Da hatte er die Teilnahme an den internationalen U23-Meisterschaften
bereits in der Tasche. Nur mit einem Sieg hätte er Hegge, der im Punktestand immer
noch vor ihm lag, den Einzug in die Cross-Nationalmannschaft noch streitig machen
können. Und das gelang ihm mit einem sensationellen Start-Ziel-Sieg beeindrucken.
„Irgendwie hatte ich heute einen guten Tag“, erklärte er sein Abschneiden und
ergänzte, „die Arme haben sich gut angefühlt“. Als dritter Fahrer neben Stefan
Hengst (KR Hamm) und Felix Sachers (Leipziger KC), ein Spezialist, der sich auf den
Cross fokussiert, wird er in dieser Saison Deutschland bei WM und EM vertreten und
kann auch schon erste Punkte für die Olympiaqualifikation sammeln.
Geschrieben: E. Faber

